primacall Geschichte der Kommunikation: Der Videotext

Der Videotext feiert derzeit seinen 30. Geburtstag und damit seine endgültige Adoleszenz. primacall gratuliert der schwarzen Informationsdatenbank und möchte ihm an dieser Stelle – wie auch im in Kürze erscheinenden “triple”-Magazin – alles Gute wünschen. Eine Sonderausgabe der Geschichte der Kommunikation von primacall.

Drei Jahrzehnte informiert der Videotext nun schon über Wetter, Aktuelles und Fußballergebnisse. Verändert hat er sich seit seiner Geburt am 01. Juni 1980 allerdings nicht. Auf schwarzem Grund stehen noch immer nur sechs Farben zur Verfügung, auf maximal 800 Seiten können 23 Zeilen beschrieben werden.  Doch die Geburt des dunklen Textes war nicht einfach.

30 Jahre und kein bisschen weißer
Das der mitteleuropäischen Norm entsprechende Fernsehbild hat 625 Bildzeilen, von denen allerdings nur 576 Zeilen für die Übertragung eines Bildungsinhaltes genutzt werden. Den Rest bezeichnet man als Austastlücke. Anfang der 70er Jahre kamen englische Fernsehtechniker auf die Idee, diesen ungenutzten Bereich zur Übertragung von Zusatzinformationen zu nutzen. Nichts eignete sich dazu besser als Texttafeln. 1974 ging die erste Variation des “U.K. Teletext Standard” auf Sendung.

In Deutschland stellten ARD und ZDF den Teletext 1980 unter dem Namen Videotext (der sich schließlich auch einbürgerte) für eine zehnjährige Testphase vor. Beliefert wurden sie – so der Kompromiss zwischen den Sendern, den Ministerpräsidenten der Länder und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) – von fünf überregionalen Tageszeitungen. Der BDZV befürchtete seinerzeit die Abwanderung der Zeitungsleser hin zum Videotext und damit die Verdrängung der Tageszeitung. Diese Annahme erwies sich allerdings schnell als falsch. Mit dem Ende der Versuchsphase zum 01.01.1990 endete auch diese Kooperation. Der Videotext ging in den Regelbetrieb über und wird nun direkt durch die Sender direkt ausgestattet.

Videotext versus Internet
Wer nun aber vermutet, der Videotext hechele dem jungen, modernen Internet hinterher und verliere mehr und mehr Anhänger, der irrt. Fast 17 Millionen Deutsche nutzen noch immer täglich den Text.  Seine Beliebtheit ist damit nach wie vor ungebrochen.

Der Grund ist klar: Wenn man es sich erst mal auf der Couch gemütlich gemacht, die Beine hochgelegt hat, steht man nur ungern wieder auf, um den Rechner anzuschmeißen und schnell mal in der Werbepause die Lottozahlen zu checken.  Näher ist die Fernbedienung. Trotz langer Ladezeiten und pixeliger Schrift kommen wir doch an unsere Informationen. Und dank des übersichtlichen Angebots verlieren wir uns nicht in virtuellen Informationsfluten, sondern sind rechtzeitig zum Ende der Werbepause fertig.

Zudem informiert uns der Videotext auch über das Fernsehprogramm. Was läuft nachher auf diesem und anderen Sendern? Und wann wird der Krimi von vorhin wiederholt? Auch die Antworten auf die wirklich wichtigen Programmfragen kommen dank übersichtlicher Texttafeln direkt auf die Couch.

  Juli 22, 2010

 

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